Winterthur (ZH): Zielbild Temporegime

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Mit dem «Zielbild Temporegime» schafft Winterthur die Basis für eine neue Verkehrskultur. Innerhalb von 20 Jahren soll flächendeckend Tempo 30 zum Standard werden. Ein solch weitreichender Ansatz ist für eine Schweizer Grossstadt aussergewöhnlich. Noch dieses Jahr wird in der Innenstadt auf allen Hauptstrassen Tempo 30 umgesetzt. Das Projekt rückt den Fussverkehr ins Zentrum: Kürzere Anhaltewege erhöhen die Sicherheit, während Lärm spürbar reduziert wird und die Aufenthaltsqualität steigt. Winterthur nutzt tiefere Geschwindigkeiten als Instrument für eine fussverkehrsfreundliche Zukunft.


Mit dem «Zielbild Temporegime» legt die Stadt Winterthur die Grundlage für eine neue Verkehrskultur und eine langfristige Strategie für sichere und lebenswerte Strassenräume vor. In den kommenden 20 Jahren soll im Siedlungsgebiet weitgehend Tempo 30 gelten. Damit entsteht ein zukunftsfähiges Mobilitätssystem, das den Fussverkehr ins Zentrum der Stadtentwicklung rückt, den Veloverkehr stärkt, den öffentlichen Verkehr fördert und Lärm reduziert.

Auslöser für das Projekt sind unter anderem das Postulat «Tempo 30 rund um die Altstadt» vom 24. Juni 2019, anstehende Strassenerneuerungen sowie gesetzliche Vorgaben der eidgenössischen Lärmschutzverordnung.

Die Umsetzung erfolgt schrittweise von innen nach aussen. In einer ersten Etappe werden rund um die Altstadt und in Quartierzentren flächendeckend Tempo-30-Räume realisiert. Danach folgen dicht bebaute Gebiete entlang der Hauptachsen. Auf Strassen mit Umfahrungscharakter bleibt Tempo 50 oder 60 möglich. In Wohnquartieren gilt grundsätzlich Tempo 30, auf Erschliessungsstrassen ohne Verbindungsfunktion kann eine Begegnungszone eingeführt werden.

Für den Fussverkehr bedeutet dies einen grundlegenden Wandel. Tiefere Geschwindigkeiten verkürzen Anhaltewege, senken das Unfallrisiko und erleichtern das sichere Queren. Die Trennwirkung stark befahrener Strassen nimmt ab, Quartiere wachsen zusammen und Wege werden direkter nutzbar. Strassenräume gewinnen an Aufenthaltsqualität und werden zu attraktiven Begegnungsorten.

Das Zielbild ist visionär, weil es Geschwindigkeit als zentrales Instrument für eine Stadt der kurzen Wege versteht. Es schafft Voraussetzungen für dichte, gemischt genutzte Quartiere, in denen sich alle Menschen sicher zu Fuss bewegen können, und stärkt damit die Zukunft fussverkehrsfreundlicher Städte. Das «Zielbild Temporegime» ist eine strategische Grundlage, dient als Argumentationshilfe und ist Basis für alle Einzelprojekte. Die Stadt hat in allen abgeschlossenen Rechtsmittelverfahren Recht bekommen.

Persone coinvolte
  • Poliplan GmbH, Projektleitung
  • Stadt Winterthur, Tiefbauamt, Abteilung 
Cronistoria

Etappe 1: Postulat und Bedarfsanalyse (bis 2019)

Aufgrund von Bevölkerungsanliegen nach Verkehrsberuhigung, politischen Vorstössen (z. B. Postulat «Tempo 30 – Rund um die Altstadt») und Forderungen nach Tempo 30 im Rahmen von Strassenbauprojekten wurden die Themen Verkehrssicherheit, Tempo 30 und Lärmschutz systematisch untersucht.

Etappe 2: Erarbeitung des Zielbilds und Genehmigung (2020–2021)

Mit Unterstützung des Verkehrsplanungsbüros Poliplan wurde das strategische Zielbild entwickelt und im Juni 2021 vom Stadtrat als Planungsgrundlage genehmigt. Die Federführung lag beim Tiefbauamt, Abteilung Mobilität. Involviert waren weiter die städtische Lärmfachstelle, Stadtbus und das kantonale Amt für Mobilität.

Etappe 3: Erarbeitung und Publikation der Verkehrsanordnungen der «Etappe Morgen» (2022–2025)

In dieser Phase erfolgte die detaillierte Ausarbeitung der Gutachten und Signalisationspläne der gesamten «Etappe Morgen». Besonderer Fokus lag auf den Hauptverkehrsstrassen im Stadtzentrum inklusive Ring um die Altstadt.

Etappe 4: Einsprachen und Rechtsprozesse (fortlaufend)

Nach Auflage der Verkehrsanordnungen wurden fortlaufend allfällige Rekurse behandelt. Alle Hauptverkehrsstrassen in der Innenstadt, aber auch Strassenabschnitte in anderen Stadtteilen wie beispielsweise die Sulzerallee oder die Wässerwiesenstrasse sind bereits rechtskräftig verfügt.

Etappe 5: Umsetzung «Etappe Morgen» (seit 2023)

Bereits umgesetzt wurden Tempo 30-Abschnitte auf den kantonalen Hauptverkehrsstrassen Museum- und St. Georgenstrasse sowie an der Stadthausstrasse. Noch im Jahr 2026 wird Tempo 30 im Stadtzentrum auch auf allen Hauptstrassen umgesetzt, womit die gesamte Innenstadt verkehrsberuhigt ist. Dies bedeutet einen grossen Meilenstein, welcher kommunikativ begleitet wird.

Etappe 6: «Vision 2040» und kontinuierliche Anpassung (bis 2040)

Das Zielbild wird als langfristiger Transformationsprozess schrittweise realisiert, indem künftige Strassensanierungen und Bauprojekte konsequent zur Ausweitung des Temporegimes auf das gesamte Stadtgebiet genutzt werden. Der weitere Prozess aufgrund der kantonalen Gesetzesänderung mit der Mobilitätsinitiative ist gemeinsam mit dem Kanton zu erarbeiten. Es bleibt jedoch dabei, dass die Stadt für Verkehrssicherheit und Lärmschutz zuständig ist und im Rahmen von Strassenbauprojekten den Lärm an der Quelle zu reduzieren hat.

Quadra dei costi

100'000 CHF für das Zielbild inkl. 7 Gutachten zur Verkehrsberuhigung.

Dazu kommen noch Kosten für weitere Tempo 30 Gutachten, bauliche Massnahmen, Anpassung Signalisation etc.