Renens (VD): Parc des Côtes – Umgestaltung einer Strasse in einen Park
Klicken Sie auf das Bild um die Galerie zu öffnen.
Inmitten eines dicht bebauten Quartiers im Grossraum Lausanne eröffnet sich vom Parc des Côtes in Renens aus ein schöner Blick auf den See. Bereits 2017 war der aus den 1970er Jahren stammende Park auf Wunsch der Bürgerschaft von 750 Quadratmetern Fläche auf 1'350 Quadratmeter erweitert worden. Dank eines neuen Nutzungsplans ist es der Stadt Renens gelungen, den angrenzenden Chemin des Côtes für den Motorfahrzeugverkehr zu schliessen, die Grünfläche zu verdoppeln und umfassend neu zu gestalten.
Der Strassenabschnitt, der früher dem Verkehr vorbehalten war, wurde auf Grundlage eines partizipativen Prozesses und eines 2022 durchgeführten Tests in eine Fussgängerzone umgestaltet, die der Bevölkerung vielfältige Nutzungsmöglichkeiten bietet. Im Park mit seinen wasserdurchlässigen Oberflächen stehen zahlreiche Bäume. Begrünte Kreise sorgen für eine Vielfalt an Räumen mit Trinkbrunnen, Spielgeräten oder Sitzmobiliar. Über eine weitere Umgestaltung des Chemin des Côtes über die Parkgrenzen hinaus wird derzeit nachgedacht.
Der bestehende Park wurde durch Integration eines Strassenabschnitts und eines ehemaligen Parkplatzes mit zwanzig Stellplätzen erweitert. Hierfür mussten der Nutzungsplan, die Verkehrsführung und die Beleuchtung angepasst und sichere, qualitativ hochwertige Wege für den Fuss- und Veloverkehr geschaffen werden.
Fast 700 Quadratmeter asphaltierte Flächen wurden entsiegelt, um das Versickern und langsame Abfliessen des Regenwassers zu ermöglichen. Dieses Regenwassermanagement trug dazu bei, den Oberflächenabfluss und die Überschwemmungsgefahr bei Starkregen zu begrenzen. Gleichzeitig ermöglichte es eine erhebliche Verringerung der Anzahl unterirdischer Kanalleitungen und den Schutz der Wasserressourcen.
Das neue Regenwassermanagement und die Renaturierung der Böden bildeten die Voraussetzungen für die Anpflanzung einer grossen Vielfalt von Bäumen, die den bisherigen Bestand ergänzen. Das daraus resultierende Blätterdach verstärkt die natürliche Kühlung des Parks bei Hitzewellen. Parallel zur Begrünung wurden neue Nutzungsmöglichkeiten – etwa für Spiele, Entspannung und Picknicks – geschaffen, die auf diesem Balkon über dem Genfer See zum Verweilen einladen.
Der Quartierpark versteht sich als vielfältig nutzbarer Ort für alle Generationen: Kinder kommen auf den Spielplätzen in einem ruhigeren Teil des Parks auf ihre Kosten. Derweil laden auf der Esplanade mehrere Picknicktische und Sitzgelegenheiten dazu ein, dort die Mittagspause oder am Abend Zeit mit Freunden zu verbringen.
Der Parc des Côtes ist als erweiterbares Projekt konzipiert, das schrittweise auf zusätzliche Strassenabschnitte ausgedehnt werden soll – und zwar im Rahmen eines partizipativen Gestaltungsprozesses in enger Zusammenarbeit mit den Anwohnenden.
Im Sommer 2024 wurde in Zusammenarbeit mit dem Atelier MOP A ein partizipativer Prozess durchgeführt, der eine Woche dauerte. Er zielte darauf ab, den Anwohnenden ihr Recht auf Mitgestaltung ihres Lebensumfelds vor Augen zu führen, durch die Umgestaltung den sozialen Zusammenhalt zu stärken und Widerständen im Zusammenhang mit dem Wegfall von Parkplätzen vorzubeugen. Workshops und die Markierung geplanter Gestaltungselemente auf dem Boden trugen dazu bei, das gesellschaftliche und räumliche Potenzial des Ortes aufzuzeigen und die Änderung des Verkehrsregimes zu begleiten.
Vorteile:
Ein Park im städtischen Umfeld bringt der Stadt viele Vorteile. Die Eindämmung von Wärmeinseln, die Erhöhung der Artenvielfalt und die Verbesserung der
Bodenversickerungsfähigkeit sind nur einige Beispiele dafür. Diese Vorteile werden durch die Vernetzung der entsprechenden Räume noch verstärkt.
Durch die Erweiterung des Parks sind der Strasse Flächen entzogen worden, die der Bevölkerung und den Menschen, die in der Nähe wohnen oder arbeiten, nun als Begegnungs- und Freizeitraum zur Verfügung stehen.Bürgerbeteiligung
Im Sommer 2024 wurde in Zusammenarbeit mit dem Atelier MOP A ein partizipativer Prozess durchgeführt, der eine Woche dauerte. Er zielte darauf ab, den Anwohnenden ihr Recht auf Mitgestaltung ihres Lebensumfelds vor Augen zu führen, durch die Umgestaltung den sozialen Zusammenhalt zu stärken und Widerständen im Zusammenhang mit dem Wegfall von Parkplätzen vorzubeugen.
Durch Möbelbauworkshops und Strassenmalereien zur Markierung geplanter Gestaltungselemente auf dem Boden gelang es, das gesellschaftliche und räumliche Potenzial des Ortes aufzuzeigen und die Änderung der Verkehrsregelung zu begleiten.
Beteiligten
Bauherrschaft: Stadt Renens, Service d’urbanisme
Auftragnehmer:
Landschaftsarchitektur: L’Atelier du Paysage, Lausanne
Verkehrsingenieure: Transitec, Lausann, Dynam.O2 Consulting, Lausanne
Gartenbau: Joss Parcs et Jardins, Saint-Légier
Maurerarbeiten: Beati Frères SA, Grandson
Tactical urbanism: Atelier MOPA, Renens
August 2022: Mitmachaktion «Chantier Vivant» (lebendige Baustelle) sowie Schliessung der Strasse für den Motorfahrzeugverkehr und Einrichtung von zwei Einbahnstrassen
April 2023: Projektpräsentation und öffentliche Auflage
September 2023: Annahme des Vorentscheids durch den Gemeinderat
April 2024: Bewilligung des Nutzungsplans durch den Kanton
August 2024: Baubeginn
Mai 2025: Abschluss der Bauarbeiten und Einweihung des Parc des Côtes
450'000 CHF (Bauarbeiten, Honorare und Nebenkosten).
Bewertung der Jury
Die Idee, eine Strasse zu schliessen und rund 20 Parkplätze aufzuheben, um den bestehenden Park zu vergrössern, ist stark und modellhaft. Die Beteiligten haben eine schöne Spiel- und Parkanlage mit Seesicht in einem dichten Quartier geschaffen. Begrünte Kreise erzeugen vielfältige Räume, die beispielsweise mit einem Trinkbrunnen, Spielgeräten und Sitzmobiliar ausgestaltet sind. Die Neugestaltung entstand in einem partizipativen Prozess mit der Anwohnerschaft, der half, dass die grüne Oase im Quartier rege genutzt wird. Klimatechnisch ist der Park vorbildlich konzipiert: komplett entsiegelt und mit vielen Bäumen bepflanzt. Wo vorher Autos parkten, laden heute Sitzgelegenheiten dazu ein, die Seesicht zu geniessen. Die Anlage ist über fünf Zugänge zu Fuss und via ÖV optimal erreichbar. Die Ausführung der Anlage ist etwas standardmässig und könnte in seiner Gestaltung verstärkt auf den Kontext eingehen. Verbesserungsfähig wäre zudem die Hindernisfreiheit: Die Rundkies-Wege, das hohe Bord um den Spielplatz und die Freiflächen zwischen den Tischen sind ungeeignet für Menschen mit Behinderung.