Minusio (TI): Aufwertung der Via Verbano durch neue SBB-Haltestelle

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Im Zuge der Einrichtung der neuen SBB-Haltestelle bot sich die Gelegenheit, das Quartier am Seeufer von Minusio aufzuwerten und dabei die Fussverkehrsfreundlichkeit zu verbessern. Die Haltestelle ist von jedem der fünf Zugänge aus barrierefrei zugänglich und für rund 2'000 Einwohnende in weniger als 15 Minuten zu Fuss erreichbar. Durch die Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde und der SBB konnte auch die Via Verbano neu gestaltet werden; die Umwandlung in eine Einbahnstrasse steigert die Qualität und Attraktivität der Fussverkehrsverbindungen zum nahegelegenen Park&Rail und zum Seeufer. Abgerundet wird das Projekt durch zwei neue Bike&Rail-Anlagen (50 Velostellplätze) und neue Sanitäreinrichtungen am Seeufer.

Die neue SBB-Haltestelle in Minusio wurde inmitten eines Quartiers in Seenähe errichtet. Das Raumkonzept unterstreicht die Idee einer durchgängigen Eisenbahninfrastruktur, die sich nahtlos in die Landschaft einfügt und mit dem Fussverkehr in Minusio verknüpft ist. Der barrierefreie Zugang zur Haltestelle ist über Rampen und präzise Anpassungen an die Topografie sichergestellt. Das vorwiegend mit Beton realisierte Projekt unterstreicht die landschaftliche Besonderheit des Ortes durch sorgfältig abgestimmte Begrenzungsmauern. Wo vorhanden, wird das für Minusio charakteristische Felsgestein zur Geltung gebracht. Die neue Haltestelle wird im 15-Minuten-Takt bedient, was die Attraktivität des Quartiers steigert und für eine bessere Anbindung seines Fusswegnetzes an den öffentlichen Nahverkehr sorgt. Zur Maximierung der Positiveffekte kam es in Verbindung mit dem Eisenbahnprojekt auch zu einer umfassenden städtebaulichen und landschaftlichen Neugestaltung der angrenzenden Via Verbano, die durch die Gemeinde und die SBB finanziert wurde.

Die Entscheidung zur Umwandlung der Via Verbano in eine Einbahnstrasse ermöglichte es, den für den Strassenverkehr vorbehaltenen Platz zu reduzieren und die Attraktivität des Gesamtareals für Menschen zu Fuss zu steigern. Die sorgfältige Ausführung mit hochwertigem Pflästerbelag und Farbasphalt, der nahtlos an den mit rotem Asphalt gestalteten Seeuferweg anschliesst, schafft einen ebenso flexiblen wie sicheren öffentlichen Raum. Durch die Landschaftsgestaltung wird zudem das Bächlein Riale Remorino zur Geltung gebracht.

Die Sanierung der nun breiter und einladender gestalteten Brücke über den Riale Remorino hat zu einer Verbesserung der Fusswegverbindung zwischen dem Seeufer, der Haltestelle und dem nahegelegenen Park&Rail geführt. Abgerundet wird das Angebot durch zwei «Bike&Rail»-Anlagen – eine in der Nähe der Unterführung bei der Via San Quirico und eine weitere auf dem städtischen Parkplatz oberhalb der Bahnlinie – sowie durch die neuen Toilettenanlagen am Fussweg beim Seeufer. 

Ergänzung
Beim Bau der Haltestelle Minusio lag ein besonderer Fokus auf der Nachhaltigkeit. Das Aushubmaterial (abgetragener Fels und unbelasteter Boden) wurde für Aufschüttungen wiederverwendet. Zum Abstützen des Bodens und für den Unterbau der Hilfsbrücke wurden Betonblöcke verwendet. Der Verlust der Grünflächen wurde durch die Schaffung eines kleinen Biotops kompensiert. Die Baustelle in Minusio diente den SBB als Pilotprojekt, kamen dort doch neben herkömmlichen auch elektrisch betriebene Baumaschinen zum Einsatz. So wurden dort während sechs Monaten ein E-Dumper und ein ganzes Jahr lang ein 8,5 Tonnen schwerer E-Bagger erprobt. Sie ersetzten dieselbetriebene Maschinen, wodurch Kraftstoff eingespart wurde. Elektromotoren benötigen wegen ihrer deutlich höheren Effizienz fast viermal weniger Energie als Dieselmotoren, was den Wirkungsgrad und die Wirtschaftlichkeit dieser Technologie unterstreicht.


Beteiligten

Bauherrschaft: Schweizerische Eidgenossenschaft, Kanton Tessin, Gemeinde Minusio, SBB Infrastruktur 

SBB-Projektleitung: SBB Infrastruktur

Auftragnehmer: 
Architektur: Michele Arnaboldi Architetti, Minusio 

Bauingenieur: Messi&Associati, Bellinzona; Ruprecht Ingegneria, Lugano 

Verkehrs- und Mobilitätsplanung: Studio d’ingegneria Francesco Allievi, Ascona

Meilensteine

Grundlage für die Errichtung der neuen Bahnhaltestelle in Minusio war der Ausbau des Angebots von Verbindungen in Richtung aus und nach Locarno gemäss dem strategischen Entwicklungsprogramm Eisenbahninfrastruktur des Bundes bis 2025 (STEP 2025). 

  • Vorentwurf: 2017
  • Baubeginn: 2022
  • Eröffnung für den Publikumsverkehr am 10. Dezember 2023
Die parallel dazu erfolgte Sanierung der Via Verbano hat zu einer Verbesserung des Zugangs zum Parkplatz sowie der Fusswegverbindungen zur Bahnhaltestelle geführt.


Kostenrahmen

Die SBB-Haltestelle wurde im Rahmen des auf einer Länge von 530 Metern realisierten Doppelspurausbaus zwischen Tenero und Locarno errichtet. Die Gesamtinvestition belief sich auf rund 25,3 CHF Millionen und teilte sich wie folgt auf:

  • 18,2 CHF Mio. für den Bau des Ausweichgleises (vollständig vom Bund finanziert);
  • 6,5 CHF Mio. für die neue Haltestelle (finanziert vom Kanton, von der Gemeinde Minusio und den anderen Gemeinden der Region mit Beteiligung des Bundes);
  • 0,6 Mio. für die Sanierung der Via Verbano und der an die Haltestelle angrenzenden Grünflächen (finanziert von der Gemeinde und der SBB).


Bewertung der Jury
Am neuen Bahnhof in Minusio wurde für die zahlreichen Kinder, die mit dem Zug anreisen, eine sichere Gehverbindung zur nahen Schule geschaffen. Ausserdem bestehen Zugänge zum Seeufer mit seiner bis nach Locarno führenden Promenade sowie zum angrenzenden Wohnquartier. Die Zugangswege lassen sich reibungslos und zweckmässig nutzen und schaffen gute Voraussetzungen für die aktive Mobilität. Die Gestaltung besticht durch seine exakte architektonische Sprache mit aus Beton gefertigten Bänken, Stütz- und Trennmauern sowie durch das Freilegen des Felsgesteins, das sich gut in den geologischen Kontext des Tessins einfügt. So entsteht ein angenehmer, sich harmonisch in die Umgebung einfügender öffentlicher Raum. Die Begrünung und das Wassermanagement ist weniger vorbildlich. Zudem wären mehr Schatten, eine hindernisfrei zugängliche Toilette sowie konsistente taktile und visuelle Markierungen wünschenswert gewesen.