Vevey (VD): Fussgängerzone und provisorische Umgestaltung an der Place Robin

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Die Umgestaltung der Place Robin und die Umwandlung der vier umliegenden Strassen in eine Fussgängerzone bilden die erste Etappe einer umfassenden Strategie, die auf Quartiersebene mit partizipativen Prozessen umgesetzt wird. Hierdurch erfährt der öffentliche Raum eine qualitative Aufwertung. Die provisorischen Massnahmen umfassen Bodenmalereien, selbst gezimmertes Stadtmobiliar, Bodenentsiegelungen sowie Begrünungen. Der Vorteil von provisorischen Umgestaltung: Die Umsetzung von Massnahmen erfolgt schneller als bei klassischen Projekten. Innerhalb kurzer Zeit konnten grössere, sichere Bereiche für das Gehen und den Aufenthalt eingerichtet, Begrünungen vorgenommen und Möblierungen vorgenommen werden, wodurch Raum für Begegnungen, Spass und Spiel sowie Entspannung entsteht. Das Projekt zeigt, dass eine schrittweise, reversible und der lokalen Praxis entsprechende Umgestaltung ein wirkungsvoller Hebel sein kann, um das Zufussgehen zu fördern und den städtischen Wandel zu begleiten.


Das Quartier Plan-Dessus in Vevey ist ein ehemaliges Industriegebiet, das sich zu einem Wohnviertel mit rund 4'000 Einwohnenden entwickelt hat. Aktuell befindet es sich in einem tiefgreifenden Wandel: Drei grosse Bauprojekte werden in Kürze zur Ansiedlung von fast 1'000 weiteren Menschen führen. Zur Begleitung dieser Entwicklung beabsichtigt die Stadt Vevey, den Verkehr, das Parkieren und die öffentlichen Räume neu zu gestalten. Ziel ist es, den Fuss- und Veloverkehr zu stärken und gleichzeitig ein qualitativ hochwertiges, ausreichendes und an die Bedürfnisse des Quartiers angepasstes Angebot an öffentlichen Räumen bereitzustellen.

Im Herzen des Quartiers liegt die Place Robin, ein sehr beliebter zentraler Platz. Er wird besonders von Kindern genutzt, die dort oft selbstständig unterwegs sind. Die umliegenden Strassen, die eine Tempo-30-Zone bildeten und von Parkplätzen gesäumt waren, schränkten jedoch die Sicht ein und erzeugten bei den Nutzenden des Platzes ein Unsicherheitsgefühl.

In einem ersten wegweisenden Schritt beschloss die Stadtverwaltung, die vier Strassen rund um den Platz in Fussgängerzonen umzuwandeln und die Parkplätze an den Strassenrändern zu entfernen. Durch diese Massnahme wurde der Durchgangsverkehr durch das Quartier unterbunden und die für Menschen zu Fuss und lokale Nutzungen vorgesehene Fläche der Place Robin von 3'500 auf 7'000 Quadratmeter verdoppelt.

Die Stadt Vevey mandatierte das Atelier OLGa mit folgendem Auftrag:

  • Durchführung einer Bestandsaufnahme des Platzes als Grundlage für die Durchführung eines Studienauftrag zu dessen künftiger Neugestaltung
  • Umsetzung einer provisorischen Gestaltungslösung, die es ermöglicht, fussverkehrsfreundliche Massnahmen rasch einzuführen und zu testen, darunter die Erweiterung der Fussgängerbereiche, Verbesserung der Sicherheit, Begrünung, Beschattung und einladende Möblierung.
Dieser Vorgehen zielte darauf ab, die schrittweise Akzeptanz der Veränderungen bei den Anwohnenden zu erreichen, neue nachhaltige Nutzungsformen zu etablieren und die Entwicklung der Vorstellungen über die Rolle des Autos im Quartier zu begleiten.

Video: Bestandsaufnahme und Mitgestaltung



Video: Bauphase


Beteiligten
Bauherrschaft: Stadt Vevey, Service de l’urbanisme et de la mobilité, Bureau de l’Animation-Jeunesse, Service des travaux publics, espaces verts et entretien

Auftragnehmer: Belebung des öffentlichen Raums: Atelier OLGa, Renens

Meilensteine

Das Projekt wurde schrittweise in vier Etappen umgesetzt. Der Ansatz kombinierte partizipative, experimentelle und planerische Elemente miteinander, um unter anderem die schnelle Erprobung und Verankerung fussverkehrsfreundlicher Bedingungen zu ermöglichen.

Phase 1 – Bestandsaufnahme und Mitgestaltung (Frühjahr 2024)

Öffentliches Fest in Zusammenarbeit mit dem Bureau de l’Animation-Jeunesse. Die Strassen rund um den Platz wurden für die Veranstaltung in eine Fussgängerzone umgewandelt. Diese Etappe zielte darauf ab:

  • im Massstab 1:1 ein Experiment zur Vergrösserung des Platzes durchzuführen;

  • die Bevölkerung durch Workshops aktiv in die Überlegungen einzubeziehen und hierzu einfache, spielerisch gestaltete Testobjekte in Originalgrösse einzusetzen;

  • eine gemeinsame Bestandsaufnahme vorzunehmen.

Phase 2 – Umsetzung der provisorischen Gestaltungsmassnahmen und Quartierfest (Sommer 2024)

Mitmachbaustelle (einwöchig). Die Massnahmen umfassten:

  • die endgültige Umwandlung der vier an den Platz angrenzenden Strassen in Fussgängerzonen und die Aufhebung der Parkplätze;

  • die Entfernung der Strassensignalisierung und die Gestaltung spielerischer Bodenmalereien;

  • das Zimmern von Stadtmobiliar, die Schaffung kleiner Grünflächen und die Einrichtung von Velostellplätzen.

Phase 3 – Bilanz und Anpassungen (Herbst 2024)

Bei diesem öffentlichen Anlass wurde Bilanz gezogen in Bezug auf die Sicherheit und den Komfort für Menschen zu Fuss, die Nutzungsentwicklung und Punkte mit Verbesserungspotenzial. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse ergänzten die Lehren aus der ursprünglichen Bestandsaufnahme und wurden an die Teams weitergeleitet, die an den Studienaufträgen für die endgültige Neugestaltung beteiligt waren.

Phase 4 – Entwicklung des endgültigen Projekts (Studienaufträge) (Herbst 2024 bis 2025)

  • Parallel zum partizipativen Prozess wurden Studienaufträge zur Planung der künftigen Neugestaltung des Platzes erteilt. Ein Bürgerbeirat leistete wertvolle Beiträge zum Prozess.

  • Gleichzeitig wurden die provisorischen Massnahmen weiterentwickelt, um die Autofreiheit der betreffenden Strassen – etwa durch Aufstellung von festen Absperrpfosten und amtlichen Schildern zur Signalisierung der Fussgängerzone – zu verstetigen.


Kostenrahmen

Für das Projekt wurde ein progressiver Investitionsansatz angewendet: Zunächst ermöglichten es einfache, kostengünstige provisorische Massnahmen, die Gehbedingungen unverzüglich zu verbessern und die Nutzungsmöglichkeiten auszutesten. Gleichzeitig wurde das definitive Projekt mit veranschlagten Kosten von etwa Fr. 4,5 Millionen vorbereitet.

Kosten des durchgeführten Gesamtprozesses (ohne Kosten für die Studienauftragsverfahren): 168'000 CHF inkl. MWST, Honoraren und Material.

Beigefügte Dokumente:

  • Städtebaustrategie für das Quartier Plan-Dessus: öffentliche Präsentation zur Quartierentwicklung, Stadt Vevey, 2024 (Stratégie urbanistique du quartier Plan-Dessus : présentation publique au sujet du développement du quartier, Ville de Vevey, 2024)

  • Zusammenfassender Bericht über den partizipativen Prozess und die provisorischen Massnahmen, Atelier OLGa, Oktober 2024 (Rapport de synthèse de la démarche participative et des aménagements transitoire, atelier OLGa, octobre 2024)

  • Übersichtsplakat zum durchgeführten Projekt für eine Plakatierung im Quartier, mit bildlicher Darstellung der einzelnen Etappen, Atelier OLGa, September 2024.

Bewertung der Jury
Wie gelingt es, ein Quartier mit wenig Frei- und Begegnungsräumen zu beleben? Die Stadt Vevey hat eine überzeugende Antwort gefunden: Indem im Rahmen eines mustergültigen partizipativen Prozesses die Bedürfnisse der Anwohnenden ermittelt werden und das Konzept der «première et deuxième peau 1» angewendet wird. Die zentrale Park- und Freiraumanlage an der Place Robin wurde mit kostengünstigen Massnahmen aufgewertet. Die erste Schicht oder Haut entspricht dem parkumgebenden Strassengeviert, die für den motorisierten Verkehr gesperrt und zur Fussgängerzone wurde; sie gewährleistet die unmittelbare Zugänglichkeit und Benutzbarkeit des Parks. In der zweiten Schicht wird das Quartier Plan-Dessus schrittweise verkehrsberuhigt und begrünt. Somit können Jung und Alt über die zulaufenden Strassen attraktiv und sicher zur Place Robin gelangen. Der temporäre Massnahmenmix wie Bodenmalereien, Möblierungen, Entsiegelung und Bepflanzung vermittelt der Place Robin einen wenig glamourösen, dafür lebendigen Charme. Der Platz wird von der Bevölkerung sehr gut angeeignet – so gut, dass sich manche Anwohnende über nächtliche Lärmimmissionen beklagen. Die Jury ist gespannt, ob es gelingen wird, den heute quirligen Platzcharakter mit der Realisierung eines definitiven Umgestaltungsprojektes beizubehalten.