Fiesch (VS): Weg Wüehr

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Im Zuge einer Quartierplanung in der Gemeinde Fiesch (900 Einw.) entschied die Gemeindeversammlung den Mühlenbach wiederzubeleben und als Rückgrat für eine neue Verbindung durchs Dorf zu nutzen. Leise gurgelnd begleitet der Wasserlauf den rund 600 Meter langen Fussweg, der den Bahnhof mit der Schule verbindet. Mit Suonen-Technik, Naturstein und lockerer Uferbepflanzung umgesetzt, entsteht ein attraktiver öffentlicher Raum inmitten einer Szenerie aus Holzhäusern. Die Promenade mit Sitzbänken überzeugt mit ihrem menschlichen Massstab und lädt dazu ein, den Dorfalltag aus einem neuen Blickwinkel zu erleben. Der Weg Wühr bietet insbesondere den Schulkindern eine sichere Wegverbindung abseits der Kantonsstrasse.


Im Zuge einer Quartierplanung in der Gemeinde Fiesch (900 Einwohnende) entschied die Gemeindeversammlung, den Mühlenbachraum wiederzubeleben und als Rück­grat für eine neue Verbindung durchs Dorf zu nutzen. «Treichi» (Tränke) heisst der Dorfteil, im «Wysswasser» nebenan tost Gletschermilch von den nahen Viertausendern. Kaum 600 m misst der neue Wasserlauf und Weg, vorbei an alten Wirtschaftsbauten und Terrassen, hindurch unter der alten Furkastrassenbrücke. Mit der alten Technik der Suonen wird aus stehenden Steinen und Grasmutten ein traditionelles «Tretschport» gebaut, den Weg säumenlängs eingebaute Platten, die Sohle ausgeführt als «Sohlenbicki», alles begleitet von lockerer Naturuferbestockung.

Ein abwechslungsreicher Pfad voller Überraschungen und Sinneseindrücke entsteht: Der Bach mal offen, mal an den einfachen Steinabdeckungen abzulesen, hier als Übergang, dort als Hausvorzone, leise gurgelnd wechselt der Wasserlauf die Seite. An den Obstbäumen glänzen die Äpfel, im Garten kräht ein Hahn, an einer Trockensteinmauer ein altes Treppchen als formvollendete Skulptur.

Als kürzeste Verbindung zwischen dem neuen Bahnhof und dem Schulhaus verklammert der Weg als Rückgrat den alten Ortskern. Sitzbänke verzaubern ihn zur Kurpromenade. Spektakulär offenbart sich den Flanierenden die Szenerie der hell aufragenden Körper des Hotels du Glacier und der Kirche inmitten alter Holzhäuser. Nach Generationen kehren menschlicher Massstab und Rhythmus zurück, überrascht das vernachlässigte Dorf mit unerwarteter Schönheit.  

Beteiligten

Bauherrschaft: Einwohnergemeinde Fiesch (VS)

Auftragnehmer:  
Landschaftsarchitektur: Extrā, Bern und Brig

Umweltingenieur: Pronat Umweltingenieure, Brig

Wasserbauingenieur: Geoplan, Steg

Bauingenieur: Gasser+Partner, Altdorf

Meilensteine

Planung und Realisierung: 2020-2024

Zeitpunkt der Fertigstellung: November 2024

Kostenrahmen

1.3 Mio. CHF

Bewertung der Jury
Die Jury würdigt den äusserst gelungenen Eingriff, der den Mühlenbach im Herzen von Fiesch wieder erkennbar und spürbar werden lässt. Durch die Wiederbelebung des Wasserlaufs, die Realisierung des Fusswegs und den Einsatz der kantonsspezifischen Suonen entsteht ein schlichter, robuster und einladender öffentlicher Raum. Das Projekt fügt sich durch das Wasser, den verbauten Stein, die durchlässige Chaussierung und die zurückhaltende Uferbepflanzung harmonisch in die dörfliche Landschaft ein und steigert die klimatischen, ökologischen und sinnlichen Qualitäten des Ortes. Schulkinder finden hier abseits des Strassenverkehrs einen ruhigen Fussweg zwischen Bahnhof und Schule. Sitzbänke und ein eigens eingerichteter Spielplatz und Aufenthaltsraum schaffen Möglichkeiten für Begegnungen mit anderen Menschen. Durch die Wahl eines wasserdurchlässigen Bodenbelags wird das Projekt auch den Anforderungen des Wanderwegs gerecht, der hier ebenfalls entlangführt. Der Weg Wühr verläuft indes abseits der intuitiv begangenen Verbindungen entlang der Geschäfte und Restaurants an der Kantonsstrasse. Durch eine sichtbare Wegführung liesse sich das Potenzial dieses attraktiven langgezogenen Freiraums besser ausschöpfen. Ausserdem würden zusätzliche Anbindungen zur Stärkung seiner Rolle als attraktive Fussverkehrsachse im Alltag beitragen.