Münchenstein (BL): Fussverkehrsführung mit Entsiegelung

Klicken Sie auf das Bild um die Galerie zu öffnen.

Im Dreispitz trifft ein erhöhtes Fussverkehrsaufkommen durch neue Angebote (Kunstmuseum, Hochschulen) auf ein weiterhin stark industriell und gewerblich geprägtes Gebiet. Die Christoph Merian Stiftung gab daher als Bauherrin einen Auftrag für eine besser erkennbare Fussverkehrsführung und mehr Sicherheit in Auftrag. Eine «vegetative Leitlinie» ordnet dieses Spannungsfeld neu: Bepflanzte Rabatten strukturieren nun den Raum, schaffen Orientierung und trennen den Gehbereich von der Fahrbahn. Mit minimalen Eingriffen in den Bestand entsteht ein robustes, wasserdurchlässiges System, das durch das Areal  führt, unkontrolliertes Parken verhindert und zugleich zur Entsiegelung sowie zu einem besseren Mikroklima beiträgt.


Mit der Eröffnung des Kunsthaus Baselland hat der Fussverkehr im Dreispitz stark zugenommen, während die Logistik- und Gewerbenutzung weiterhin den Raum prägt. Daraus entsteht ein Spannungsfeld, dem mit einem einfachen, aber wirksamen Leitsystem begegnet wird. Zwischen Oslo Nord und dem Kunstmuseum wird die bislang unklare Fusswegführung durch eine vegetative Leitlinie neu definiert. Eine bepflanzte Rabatte strukturiert den Raum, trennt Fahrbahn und Gehbereiche und schafft Orientierung in einem vom motorisierten Verkehr dominierten Umfeld. Die Intervention ist bewusst minimal gehalten: Der Asphalt wird präzise aufgeschnitten und entfernt, auf Randabschlüsse wird verzichtet. Auf dem freigelegten Fundationsmaterial entsteht ein robuster, wasser- durchlässiger Aufbau mit standortgerechter Bepflanzung. Die Setzung folgt den realen Bewegungsmustern: Grundlage bildet die Überlagerung aller notwendigen Fahrbewegungen, aus der die Begrünungsflächen unter Berücksichtigung der Sichtwinkel entwickelt wurden.
In nur vier Monaten realisiert, verbessert das Projekt nicht nur Sicherheit und Lesbarkeit des Raums, sondern verhindert auch unkontrolliertes Parken. Gleichzeitig leistet es durch gezielte Entsiegelung und Begrünung einen Beitrag zum Mikroklima und zum natürlichen Wasserkreislauf. Als pragmatische, präzise gesetzte Intervention zeigt das Projekt, wie mit einfachen Mitteln neue Qualitäten für den Fussverkehr und den Stadtraum entstehen können.

Beteiligten

Bauherrschaft: Christoph Merian Stiftung, Basel

Auftragnehmer:
Landschaftsarchitektur: Meta, Basel

Pflanzplanung: Zur Blüte, Zürich

Verkehrsplanung: Aegerter & Bosshardt, Basel

Gartenbau: Jonasch & Gebler, Allschwil

Meilensteine

2024: Von Vorprojekt bis Realisierung

Kostenrahmen

200‘000 CHF inkl. Honorare

Bewertung der Jury
Das Projekt überzeugt durch einen pragmatischen Ansatz mit grosser Wirkung. Mit gezielten und kostengünstigen Massnahmen werden versiegelte Flächen reduziert und neue Grünräume geschaffen, ohne die gewerblichen Anforderungen des Areals zu beeinträchtigen. Die Entsiegelungen fördern die Versickerung von Regenwasser, verbessern das Mikroklima und mindern Hitzeinseln. Die Massnahmen unterstützen bereits vorhandene Aufwertungen im Industrie- und Gewerbegebiet, wie z.B. den ebenfalls teilweise entsiegelten Platz vor der Hochschule. Hervorzuheben ist die sorgfältige Suche nach Potenzialen für Begrünung trotz enger Rahmenbedingungen wie Schwerverkehr und grossen Manövrierradien. Aus Sicht der Hindernisfreiheit ist die Abgrenzung der Verkehrsbereiche nicht eindeutig. Die Massnahmen konzentrieren sich auf Entsiegelung und Begrünung, die zugleich die Fussverkehrsführung verdeutlichen und den Raum strukturieren. Das Projekt besitzt Modellcharakter für vergleichbare Gebiete und zeigt auf, wie bestehende Strassenräume schrittweise klimaresilienter und gleichzeitig fussverkehrsfreundlicher gestaltet werden können.