Basel (BS) : Boulevard Aeschengraben und Baloise Park – Eine einheitlich gestaltete urbane Landschaft verbindet nahtlos privaten und öffentlichen Raum

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Der neu angelegte Boulevard Aeschengraben schafft eine breit angelegte, attraktive Wegverbindung für die zahlreichen Menschen, die diesen Raum zwischen Bahnhof SBB, Centralbahnplatz und Aeschenplatz passieren und zum Verweilen nutzen. Der Boulevard führt entlang neu gepflanzter Bäume über die Parzellen privater Landeigentümer und ist in gegenseitigem Einvernehmen mittels Dienstbarkeiten für die Öffentlichkeit zugänglich. Die erfolgreiche partnerschaftliche Projektentwicklung zwischen Privaten und dem Kanton Basel-Stadt schafft insbesondere am Baloise Platz und im Parkweg Mehrwerte für die Bevölkerung in der Gestaltung des Freiraums, der gesteigerten Aufenthaltsqualität sowie der verbesserten Wegeverbindungen.


Stadtgeschichtliche Bedeutung des Aeschengrabens

Der Aeschengraben befindet sich im Perimeter des Entwicklungsrichtplans Innenstadt und folglich im Perimeter des Gestaltungskonzepts Innenstadt (GKI). Die Ortsbezeichnung „Aeschengraben“ weist auf die alte Basler Stadtbefestigung hin. Dies bedeutet, dass die heutige Grünanlage und die Strasse über einem künstlichen Graben entlang der Stadtmauer entstanden sind. Der Aeschengraben gehörte zur äusseren Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert. Die Grabenanlage wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit den Steinen der geschleiften Stadtmauer aufgefüllt. Die damalige Gestaltung des Aeschengrabens sollte den zeitgenössischen Anforderungen an einen grosszügigen und repräsentativen Boulevard zwischen dem Centralbahnplatz und dem Aeschenplatz genügen. Die Pläne zu diesem Grüngürtel stammten vom Münchner Hofgärtner Carl von Effner. Der Vorschlag der Regierung (vom Grossen Rat am 4. Januar 1861 genehmigt) sah vor, anstelle der Stadtmauer und des Grabens die städtebauliche Achse Bahnhof – Aeschenplatz als grünen Ring mit breit angelegten Strassen zu bauen. In groben Zügen ist die ursprüngliche Idee umgesetzt worden, wobei die prägnanten Elemente wie beispielsweise der imposante Springbrunnen am Aeschenplatz im Laufe der Zeit verschwunden sind.

Gestaltungsprojekt Boulevard Aeschengraben

Das Gestaltungsprojekt knüpft an die räumlichen Qualitäten der grossstädtischen Anlage aus dem 19. Jahrhundert an, indem die Verbindung zwischen Bahnhof und Aeschenplatz für zu Fuss Gehende und Velofahrende verbessert wird. Das Gestaltungsprojekt sieht einen grosszügig angelegten Boulevard Aeschengraben vor, der Raum für das Spazieren und Verweilen entlang der durchgehenden Baumreihe bietet. Ein breiter Fussgängerbereich mit Natursteinpflästerungen und diversen Sitzmöglichkeiten in den Vorzonen der Liegenschaften verbindet den Parkweg mit dem Aeschenplatz. Die Pflästerungen waren teilweise schon vorhanden (BIZ bis Aeschengraben 9 und Areal der Baloise) und wurden angepasst respektive wo nicht vorhanden komplett neu verlegt. Fussgängerinnen und Fussgänger können sich im ganzen Boulevardbereich frei bewegen, da der Kanton mit den jeweiligen Liegenschaftseigentümern Dienstbarkeitsverträge für die Vorzone eingegangen ist. Am Aeschenplatz wurden die Fussgängerstreifen innerhalb des Projektperimeters mit Mittelinseln ausgestattet, so dass die Querungen für Fussgänger direkter und sicherer werden.

Gestaltungsprojekt Parkweg und Baloise Platz

Der seit 2014 rechtsgültige Bebauungsplan für das Areal Aeschengraben erlaubte, das Geviert mit drei Gebäuden (Baufelder A, B und C) und einem neuen, öffentlich zugänglichen Platz (Fläche F) zu überbauen. Die Baloise hat die drei Gebäude bei Miller & Maranta Architekten (Hochhaus mit Hotelnutzung), Diener & Diener Architekten und Valerio Olgiati in Auftrag gegeben. Die Umgebung ist nach den Plänen von August + Margrith Künzel Landschaftsarchitekten gestaltet.

Die vier Gebäude – heutiger Baloise Hauptsitz und die drei Neubauten – sollen alle auf einem einheitlichen gestalteten „Belagsteppich“ stehen, der vorwiegend aus einer Naturstein-Pflästerung besteht. Dieser „Teppich“ stellt die Verbindung zwischen Bestand und Neubauten her und bildet zugleich den Auftakt zum Boulevard Aeschengraben. Er erstreckt sich über die Parzellengrenze hinweg auf die Allmend bis zum umlaufenden Trottoir. Dieses wird mit einem konventionellen Asphaltbelag ausgeführt, fasst das Areal allseitig ein und gewährleistet eine hindernisfreie Fusswegverbindung.

Der Freiraum im Geviert zwischen Nauenstrasse, Aeschengraben und der bestehenden Bebauung am Parkweg wurde gesamtheitlich betrachtet und gestaltet. Dies geschah in enger Zusammenarbeit und Abstimmung mit der Stadt und den verschiedenen Ämtern. In der Vereinbarung zwischen dem Kanton Basel-Stadt und der Basler Leben AG sowie der Basler Versicherung AG, wurde die parzellenübergreifende Gestaltung gemeinsam geregelt und festgehalten.

Der Platz in seiner Nutzung als „Baloise Platz“ stellt einen wichtigen Baustein in der Wahrnehmung des neuen Firmensitzes dar. Der als städtischer Platz verstandene Freiraum nimmt Nutzungen aus dem öffentlichen Stadtraum wie auch aus den neuen Gebäuden auf, ist Bewegungsort und bietet verschiedene Sitz- und Verweilmöglichkeiten an.

Die bestehende Platanenreihe entlang dem Aeschengraben und die neuen Bäume fassen den Platzbereich und schaffen Aufenthaltsqualität und Atmosphäre. Die lineare Anordnung der Bäume entlang dem Aeschengraben nimmt die Gestaltungssprache der städtischen Räume auf und stellt den Bezug zum Strassenraum sowie zum Boulevard Aeschengraben her. Im Gegensatz dazu schaffen im Bereich des Parkweges und entlang der Nauenstrasse runde, grossformatige Grünflächen mit frei angeordneten Hochstammbäumen und mehrstämmigen Bäumen eine parkartigere Atmosphäre, welche den Übergang vom Platz zur Elisabethenanlage und zum durchgrünten Quartier bildet.

Im Parkweg wurde zwischen der Einmündung in den Aeschengraben und der Einfahrtsrampe in die Tiefgarage der Baloise eine Begegnungszone eingerichtet, damit Fussgänger/-innen einfacher queren können. Der restliche Abschnitt des Parkwegs verbleibt im Tempo 30-Regime. An den Einmündungen in den Aeschengraben und in die Nauenstrasse wurden Trottoirüberfahrten realisiert.

Wo früher ein Graben die mittelalterliche Stadt vom Umland trennte, bilden die Aeschengrabenanlage, der neu erstellte Boulevard und der Baloise Platz fliessende Übergänge. Parzellenübergreifend entstand ein neuer urbaner Freiraum mit Mehrwert für alle; für die Anlieger, die Stadt und die Bevölkerung.

Öffentlicher Raum Projekt Boulevard Aeschengraben und Parkweg:

Bau- und Verkehrsdepartement Basel-Stadt

Planungsamt

Abteilung Gestaltung Stadtraum Verkehr

 

Privater Aussenraum Projekt Baloise Platz und Parkweg:

August und Margrith Künzel Landschaftsarchitekten


Boulevard Aeschengraben

Planung und Projektierung: 2013-2014

Parlamentarische Beratung: 2015

Bauprojekt und Submissionen: 2016-2017

Realisierung: 2017-2018

 

Parkweg

Planung und Projektierung: 2013-2014

Parlamentarische Beratung: 2017

Bauprojekt und Submissionen: 2017-2018

Realisierung: 2018-2019

 

Baloise Platz

Planung und Projektierung: 2012-2015

Bauprojekt und Submissionen: 2016-2018

Realisierung: 2019-2020


Boulevard Aeschengraben: Kosten 8.06 Mio CHF inkl. Mwst.

Parkweg: Kosten 1.88 Mio CHF inkl. Mwst.


Das Projekt Baloise Park ist zur Zeit noch in der Realisierung.

Die Fertigstellung der Umgebungsarbeiten ist für Juni 2020 vorgesehen.