St. Gallen (SG): Wiboradaweg
Der Wiborada-Steg verbindet die historische Altstadt von St. Gallen hindernisfrei mit dem Universitätsquartier. Als elegant geschwungene Fussgängerbrücke führt er durch den St. Mangen Park, über den Unteren Graben bis zum Parkhaus Central. Die filigrane Stahlkonstruktion respektiert den denkmalgeschützten Park von 1952 sowie die Präsenz der Kirche St. Mangen und schafft neue Blickbeziehungen zwischen Stadt, Park und Universität. Der Steg wird zu einer landschaftlichen Promenade mit klarer stadträumlicher Vermittlungsfunktion.
Der Wiboradaweg ist konsequent auf die Bedürfnisse von Menschen zu Fuss ausgerichtet. Mit einem gleichmässigen, hindernisfreien Gefälle von unter sechs Prozent überwindet er komfortabel die Höhendifferenz von 4.90 m zwischen Altstadt und Universitätsquartier und ermöglicht eine selbstverständliche, barrierefreie Nutzung für alle.
Die geschwungene Linienführung reagiert sensibel auf den geschützten Baumbestand und erhält die offene Parklandschaft. Der Steg führt auf Höhe der Baumkronen durch den Park und schafft so ein besonderes Raumerlebnis – eine Art «Baumwipfelpfad» mitten in der Stadt. Unterschiedliche räumliche Sequenzen – von der dichten Altstadt über den ruhigen Park bis hin zum urbaneren Umfeld des Parkhauses – machen den Weg abwechslungsreich und stärken die Wahrnehmung der Stadt als zusammenhängenden Lebensraum.
Besonderes Augenmerk wurde auf Komfort und Sicherheit gelegt: Ein hochwertiger, fussgängerfreundlicher Belag, eine zurückhaltend integrierte Beleuchtung sowie eine klare Wegführung sorgen für eine angenehme Nutzung zu jeder Tages- und Nachtzeit. Die schlanken Stützen minimieren den Eingriff in die Parkanlage und erhalten deren Charakter.
Das Projekt basiert auf einer umfassenden Nutzungsstudie, welche die unterschiedlichen Anforderungen und Nutzergruppen – Universität, Stadtbevölkerung und Parkhaus – zusammengeführt hat. Daraus entstand eine partnerschaftliche Finanzierung durch drei Akteure: der Kanton für die universitäre Anbindung, die Stadt für die öffentliche Erschliessung und die private Seite für die Parkhauserweiterung. Der Steg übernimmt damit nicht nur eine räumliche, sondern auch eine verbindende Rolle zwischen verschiedenen Interessen.
Der Wiborada-Steg geht auf eine langfristig verfolgte Idee von Iso Senn zurück, der die konzeptionellen und politischen Grundlagen gelegt und den Wettbewerb 2021 initiiert hat. Die Realisierung ist somit Ausdruck einer gesamtheitlichen planerischen Leistung, die weit über das Bauwerk selbst hinausgeht.
Video Montage Brücke über den Unteren Graben
Bauherrschaft: Senn Resources, St. Gallen; Stadt St. Gallen, Aurora Anlagestiftung, St. Gallen
Auftragnehmer:
Bauingenieur: Basler & Hofmann, St. Gallen
Architektur: Nau2, Zürich
Landschaftsarchitektur: DGJ Paysages, Zürich
Stahlbau: Hofstetter Stahlbau, Waldkirch
Lichtplanung: Reflexion, Zürich
Wettbewerb: März 2021 – Juli 2021
Vorprojekt: Oktober 2021 – März 2022
Bauprojekt: März 2022 – September 2023
Ausführungsplanung: September 2023 – Mai 2024
Ausführung und Fertigstellung: Juni 2024 – März 2025
Ca. 4 Mio CHF (Stahlbrücke), Herstellung inkl. Planung
Bewertung der Jury
Die Jury beurteilt den Wiborada-Steg als sehr gelungenes Beispiel einer hochwertigen Fussverkehrsverbindung im innerstädtischen Raum. Der Steg verbindet die historische Altstadt mit dem Universitätsquartier und schafft damit einen direkten, sicheren und komfortablen Zugang für Fussgängerinnen und Fussgänger. Der Steg überwindet nicht nur eine Höhendifferenz elegant, sondern verbessert die Erreichbarkeit zwischen Stadtzentrum und Universität deutlich. Mit dem gleichmässigen Gefälle von unter sechs Prozent wird eine barrierefreie Nutzung für alle ermöglicht. Die geschwungene Linienführung nimmt Rücksicht auf den geschützten Baumbestand und fügt sich sorgfältig in das sensible Umfeld ein. Gleichzeitig entsteht eine Art «Baumwipfelpfad», durch den Park mit neuen Blickbeziehungen und hoher Aufenthaltsqualität. Die Jury würdigt insbesondere die gelungene Verbindung von Funktionalität, Gestaltung, Sicherheit und stadträumlichem Mehrwert.