Flâneur d’Or 2004

Biel (BE): Begegnungszone Zentralplatz

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Der Zentralplatz, ein Identifikationsort, Kreuzungspunkt wichtiger innerstädtischer Achsen und Verkehrsknoten, täglich von einigen zehntausend Menschen zu Fuss und auf Rädern durchquert, wurde zur Begegnungszone umgebaut. Regelung und Ordnung des Verkehrs funktionieren dank strenger und sorgfältiger Gestaltung. Dies wurde strassenverkehrsamtlich bestätigt. Der Schweizer Heimatschutz schrieb zudem:
“Der Stadt Biel ist es gelungen ... den öffentlichen Raum ... neu in Wert zu setzen...”.


Ausgangslage
Der Zentralplatz ist der zentrale Ort im stadträumlichen Gefüge, eine Schlüsselstelle für die grossen Raumachsen, aber auch ein Verkehrsknotenpunkt und bedeutender Identifikationsort im Zentrum der Stadt.
Der Platz mit einer Ausdehnung von 55m x 70m wird täglich von 10’000 – 12’000 Fahrzeugen befahren. An Werktagen queren 5000 – 6000 Velos und 1200 Busse mit insgesamt 25’000 bis 30'000 Personen an Bord den Platz. Im Durchschnitt steigen täglich 5500 PassagierInnen ein und aus. Der Platz ist nicht nur Verkehrsknoten, sondern dient zeitweise auch als Markt- oder Festplatz.

Vorgehen
Ziel war es, einerseits die Achse Bahnhof – Zentralplatz – Altstadt aufzuwerten und andererseits die längst fällige Verbindung zum See herzustellen. Der Zentralplatz sollte ein neues, städtebaulich hochstehendes Erscheinungsbild als zentraler öffentlicher Platzraum mit vielfältigen Nutzungen und Funktionen erhalten.

Umsetzung
Der streng rechteckige Platz mit hellem, gelblichem Asphaltbelag, begrenzt durch ein breites Betonband, erscheint als grosszügig dimensionierte Ganzheit. Die sparsame Möblierung mit mobilem Grün, einem historischen Brunnen, Bänken und einer ehemaligen Tramstation mit Uhr sowie die sanften Übergänge zwischen den Fahrbahnen (signalisiert als Begegnungszone) und den Flächen, die dem Fuss- und teilweise dem Veloverkehr vorbehalten sind, unterstützen diese Wirkung. Nachts erhellen vier haushohe Mastenleuchten und einzelne Bodenleuchten den Platz. Die 85%-Geschwindigkeit von 24 km/h wird als tolerierbarer Wert betrachtet. Die Auswertung der sechs verschiedenen Geschwindigkeitsmessungen ergab, dass 74% der gemessenen Fahrzeuge unter 20 km/h fahren.

Organisation
Bauherrschaft: Städtische Baudirektion, Abteilung Infrastruktur, Tiefbauamt


Zeitraum

  • Studienauftrag: 1997
  • Planung und Projektierung: 1997–2000
  • Umbau: Juli 01–April 02
  • Eröffnung: Frühling 2002
  • Inbetriebnahme der Begegnungszone: Dezember 2002


Finanzierung
Demontage (inkl. Massnahmen Denkmalpflege Schutzdach, Brunnen und Lichtmast versetzen) 850'000 CHF; Platz-gestaltung (inkl. Sanierung der Betonbrücke, Entwässerung, Belag) 2'000'000 CHF; Platzbegrenzung (Betonkranz) 280'000 CHF; Möblierung (Beleuchtung, Bäume, Bänke, Velounterstand, Pfosten) 745'000 CHF; Verkehrsbetriebe
(Anpassungen Fahrleitungen) 390'000 CHF; Signalisation 17'000 CHF;
Total Baukosten 4'282'000 CHF.


Bewertung der Jury
Die subtile Regelung und Ordnung des rollenden Verkehrs auf minimalen Fahrbahnflächen funktioniert dank strenger Ausformung und sorgfältiger Detailgestaltung. Trotz relativ hohen Fahrzeugfrequenzen ist es gelungen, für Fuss-gängerInnen einen sicheren und attraktiven Platz mit hoher Aufenthaltsqualität zu schaffen. Der Platz verdient seinen Namen wieder zu Recht.